Nun haben wir schon Mitte Mai. Noch immer bestimmt die Corona-Pandemie unseren Alltag. Genau vor einem Jahr habe ich in meinem Tagebuch notiert, dass ich erstmals Gesichtsmasken im Supermarkt kaufen konnte. Damals ahnte ich nicht, dass das erst der Anfang einer sehr langen Wartezeit war. Inzwischen habe ich mich fast daran gewöhnt kaum noch jemanden zu treffen, kaum noch unterwegs zu sein, aber es tut nicht gut. Manchmal verliere ich die Hoffnung. Mir fehlen meine regelmäßigen Reisen nach London und der persönliche Kontakt zu den Freunden dort. Und doch geht es mir im Frühling 2021 besser als im letzten Jahr, denn nun haben wir gleich mehrere wirksame Impfstoffe. Eigentlich ein Wunder, dass man sie so schnell entwickeln konnte. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn wir noch immer darauf warten müssten.

Leider will sich der Mai in diesem Jahr nicht von der sonnigen Seite zeigen. Mir fehlt vor allem die Wärme. Noch immer drehe ich abends die Heizung an und noch immer trage ich dicke Pullover. Weil ich eigentlich optimistisch denke, erwarte ich stets bessere Tage in Kürze. Das gilt sowohl für das Wetter als auch für die Pandemie. Und es ist vielleicht dieses lange Warten, dass am Ende so mürbe macht. Mich jedenfalls.

 

 

Obwohl es draußen kalt und trüb ist, mache ich mich mit der Kamera auf den Weg. Schon bald merke ich, dass auch diese eher schlechten Bedingungen ihren ganz eigenen Reiz haben. Die Natur mag später als üblich dran sein, aber der Blütenrausch, der den Mai ausmacht, den kann man trotzdem erleben. Das diffuse Licht lässt die Blumen nicht ganz so strahlen wie sonst und der Morgentau, der nicht verdunsten will, hängt schwer an ihren zarten Blättern. Aber gerade das macht eine ganz eigene Stimmung aus, die eigentlich gut zu meiner Corona Tristesse passt.

 

 

Überall stehen die Bäume in voller Blütenpracht. Zu einem von ihnen zieht es mich hin, weil ich dort eine unglaublich intensive Duftwolke wahrnehme. Vielleicht ist es sogar die Feuchtigkeit, die den Duft so sehr verstärkt. Ein Erlebnis für die Sinne und das genieße ich. Als ich weitergehe, kreuze ich den Weg von zwei Kaninchen. Die zupften sich ihr Frühstück aus den frischen Gräsern und sind erst einmal genauso überrascht wie ich. Statt fluchtartig wegzuspringen, widerstehen sie ihrer Angst. Sie schauen mich an, verfolgen genau was ich tue. Solange ich nicht näher komme, lassen sie mich gewähren. Wir verbringen eine ganze Weile miteinander. Später, am selben Vormittag, werden mir zwei weitere Kaninchen begegnen. An einem ganz ungewöhnlichen Ort, wo eigentlich viele Menschen und Autos unterwegs sind. Auch die beiden meistern die Situation. Statt blind loszulaufen und dabei womöglich unter ein Auto zu geraten, nehmen sie sich die Zeit genau hinzusehen. So kommen sie beide gesund und heil über die belebte Kreuzung. 

 

 

Am Nachmittag fallen mir die ungewöhnlichen Begegnungen wieder ein. Sie haben irgendetwas zu bedeuten, das spüre ich. Spirituelle Botschaften gibt es zuhauf und sie begegnen uns häufig. Oft sind wir aber zu beschäftigt, um sie wahrzunehmen. Das geht auf vielfältige Weise; manche Menschen können Energien spüren, andere deuten das Wetter und ich mache es wie Doktor Dolittle. Ich ‚rede‘ gerne mit Tieren. Zum Glück haben kluge Menschen die Bedeutungen dieser Begegnungen längst entschlüsselt. Man kann uraltes Wissen anzapfen, denn das ist nichts Neues. Also schaue ich in einem Buch nach. Dort erfahre ich, … dass das Kaninchen symbolisch für die Angst steht. Nämlich die Angst, der ich aktuell zu viel Raum in meinem Leben eingeräumt habe. Ich will das Beste und befürchte stets das Schlimmste. Mir wird geraten, die Angst nicht zu verleugnen, aber genau hinzusehen und dann die Entscheidung zu treffen. Das Kaninchen zeigt mir, dass ich stets die Wahl habe. Ich kann fliehen oder der Herausforderung entgegentreten. Dabei gibt es kein Falsch oder Richtig, nur ein angemessenes Verhalten auf die jeweilige Situation. – Der Gedanke und der Ratschlag machen für mich Sinn. Gerade jetzt in dieser Zeit ist das tatsächlich eines der Probleme. Wahrscheinlich haben wir alle Angst uns mit dem Virus anzustecken. Entweder sorgen wir uns um uns selbst oder um liebe Menschen, die uns nahe stehen sind. Wir wollen beschützen, das ist zutiefst menschlich und erleben fast täglich unsere Hilflosigkeit. Das ist eine Herausforderung und wenn es über so lange Zeit andauert, kann sich tatsächlich Angst einnisten. Fast unmerklich bestimmt sie dann plötzlich unseren Alltag. Das will ich nicht und deshalb bin ich ziemlich froh den wichtigen Hinweis bekommen zu haben. So haben mir also zwei niedliche kleine Kaninchen einen ausgezeichneten Rat gegeben. Wenn Sie das nächste Mal eine besondere Begegnung mit einem Tier haben, dann schauen Sie doch mal genau hin. Es könnte wichtig sein.