Der Herbst ist mal wieder schneller gekommen als gedacht. Meine innere Uhr scheint zwar relativ gut die Tages- und Nachtlänge abschätzen zu können, aber wenn es um längere Zeitspannen geht, hinkt sie regelmäßig hinterher. Immer denke ich, ich hätte noch soooo viel Zeit um etwas ganz spezifisches zu fotografieren und dann geht die Chance vorbei und ich habe es mal wieder vermasselt. Macht aber nix, denn das Jahr bietet an 365 Tagen beste Gelegenheit zum Fotografieren. Glauben Sie nicht? Was ist mit dicken Nebel oder gar Regen? Beides mehr als eine Verlockung, denn eine Nebelstimmung ist einmalig. Allerdings fotografisch auch nicht einfach zu meistern. Und Regen ist mein Lieblingswetter, wenn ich beispielsweise in London bin. Sobald sich Pfützen bilden kann man großartige Fotos von Gebäuden machen, die man normalerweise gar nicht auf ein Foto bannen kann. Beispielsweise die St Paul’s Cathedral, die ist nur mit Weitwinkel oder gespiegelt in der ‘puddle’ fotografisch einzufangen. Leider regnet es in London viel weniger als man denkt. 

Zurück in Hamburg, bin ich oft vor meiner Haustür, in den Walddörfern, unterwegs. Egal ob ich in den Park gehe oder durch die ruhigen Straßen mit den schönen Häusern, überall entdecke ich ein Motiv. Zur aller erst das Laub, dass sich nun verfärbt, denn die Fotosynthese wird aktiv eingestellt. Der Baum hält sozusagen die Luft an, bzw. verzichtet auf die Energie, die die Sonne ihm gibt. Die Speicher, das grüne Chlorophyll, werden nicht länger aufgestockt. Das Blatt verliert die Flüssigkeit, wird welk und färbt sich gelb oder rot ein. Ein biologischer Selbstmord? Nein, ganz und gar nicht. Wir wissen doch, was im nächsten Frühjahr passiert. Es ist einfach eine sehr kluge Strategie, um dem Winter und Frost zu trotzen. Das Wasser in den Blättern würde rasch gefrieren und das wäre dann tatsächlich der Tod für das Blatt. Dasselbe könnte im Ast oder Stamm passieren. Also wird alle Feuchtigkeit in den Wurzelbereich zurückgezogen und schon ist der sichtbare Teil der Pflanze winterfest und schmerzfrei. Ob man sich davon etwas abgucken sollte? Ich weiß es noch nicht, werde aber mal drüber nachdenken.

 

 

Im Garten ist eine letzte Rose in voller Blüte. Morgens hängen dicke Tautropfen an den Blättern. Die Ernte ist eingefahren und im Volksdorfer Museumsdorf feiert man das Erntedankfest. Dieses Jahr fällt es kleiner als üblich aus, denn noch immer grassiert das Coronavirus. Aber alle sind froh, dass das Fest überhaupt stattfindet, nachdem ein halbes Jahr lang alles zum Erliegen gekommen war. Eine lange Zeit oder kommt es nur mir so vor? Ich bin zwar keine Greisin aber spätestens mit Renteneintritt fängt man an mit seiner Zeit zu geizen. Und dafür hat man gute Gründe. Ich fahre jedes Jahr mehrfach nach London und mache dort ausgiebige Fototouren. Dieses Jahr war das nicht möglich und ob ich im nächsten Jahr die Kondition habe kann niemand wissen. Natürlich bin ich mehr als optimistisch und habe es als festes Ziel im Auge.

Der Herbst lädt natürlich aus zu einem Besuch auf einem der Friedhöfe ein. Ich bin dort gerne, denn ich mag die Mischung aus Natur und (Grab-) Kultur. Außerdem ist es dort ruhig und die meisten Besucher sind sehr, sehr freundlich. Das ist in Naturschutzgebieten längst nicht mehr der Fall, dort treffen sich mehr Hobby Sportler als Naturfreunde. Natürlich ist der Ohlsdorfer Friedhof mein Favorit. Immerhin der flächenmäßig größte Parkfriedhof Europas. Aber man sollte die kleinen, regionalen nicht übersehen. Sie haben alle eine ganz individuelle Ausstrahlung. Der Volksdorfer Waldfriedhof ist von dem alten Tannenbestand geprägt. Leider sind die Bäume schwer mitgenommen, wohl eine Folge des Klimawandels. Nur eine kurze Autostrecke entfernt findet man den Bergstedter Friedhof, dessen Natur mich immer wieder beeindruckt. Ich kenne nicht die Namen der exotischen Büsche und Bäume, aber einer ist schöner als der andere. Und wenn man dort ist, muss man auch den Kirchhof besuchen, der gleich gegenüber liegt. Die alte Kirche dort, die früher der Mittelpunkt der gesamten Walddörfer Region war, ist immer einen Besuch wert. Selbst wenn man gar nicht hineingeht, findet man unzählige Motive rund herum.