Twinings

Coffee Houses and Tea Shops

216 Strand, London, WC2R 1AP

Im zentralen London, beispielsweise in Covent Garden, schießen die Coffee Shops wie Pilze aus dem Boden. Mein Favourit ist die Kette 'Pret-a-Manger', wo ich regelmäßig frühstücke, wenn ich in London bin. London ist teuer, aber nicht immer. Bei Pret bekomme ich einen großen Kaffee und ein noch warmes Croissant für £4.65. Im Hotel kostet das Breakfast stolze £21. Gut der Vergleich hinkt, denn dort kann ich das 'full Monty' wählen und wenn es mir Freude macht eine ganze Kanne Kaffee austrinken.

Trotzdem bin ich längst Stammgast im Pret geworden, denn sie haben ganztägig etwas anzubieten, immer frisch und zu einem fairen Preis. Ich liebe die Plätze nahe am Fenster, wo ich schmausend Leute beobachten kann. Zum Beispiel den Londoner, der morgens ins Büro eilt. Ich sehe ihn fast jedes Mal, sein markanter Hut fällt auf und er scheint genauso pünktlich seinen Tag zu starten, wie ich es mache. Gerne verfolge ich mit meinen Augen die roten Busse, die Taxen und die immer zahlreicheren Radfahrer. Sie alle meistern die viel zu engen Strassen bravourös. Und dann natürlich die Touristen, die ihren ersten Tag in London früh beginnen. Sie schauen ziemlich ahnungslos in ihre Faltkarten und dann wandert ihr Blick den Strand entlang, erst in die eine Richtung, dann in die andere und schließlich starren sie wieder in die Karte, um dann vertrauensvoll dem Familienvater zu folgen, der fest entschlossen die falsche Richtung einschlägt.

Inzwischen bin ich auch gerne abends bei Pret, wo ich dann alles ins Reisetagebuch eintrage, was ich tagsüber erlebt habe. Wenn ich damit fertig bin, schaue ich auf ein letztes Bier im Wellington Pub hinein, bevor ich mir im Strand Palace Hotel das mir längst vertraute 'Welcome' abhole, dass mir der Doorman lächelnd anbietet, bevor ich durch die Tür schlüpfe, die er für mich aufhält.


Die Coffee Shops scheinen ein ganz neuer Trend zu sein, der von den Londonern und von den Touristen dankbar angenommen wird. Im Strand findet man wohl alle einhundert Meter ein solches Geschäft. Dazwischen klassische Pubs und Restaurants, die natürlich auch eine Frühstück bieten, meistens ein 'full English'. Aber die Sache ist gar nicht neu.

Mein Pret an der Ecke zur Waterloo Bridge. Da sitze ich gerne am Fenster. Inzwischen ist man übrigens umgezogen, auf die Ecke gleich hier rechts, wo die Gäste noch mehr Platz haben.

Schon im 17./18. Jahrhundert gab es in allen großen europäischen Städten Coffee Shops wie Sand am Meer. Natürlich auch in London, beispielsweise in Covent Garden und im Strand / Fleet Street. Die gemütlichen Häuser waren ganztägig bis in den späten Abend geöffnet. Man traf sich dort vor allem zum lockeren Gespräch. In Covent Garden, war das Bedford Coffee House auf der Piazza zu finden. Ich denke es sah damals nicht viel anders aus als heute, Tische und Stühle voller Menschen (damals wohl ausschließlich Männer), die miteinander diskutierten und Neuigkeiten austauschten. Im Bedford verkehrten die Literaten und Künstler, in Tom's Coffee Shop im Strand trafen sich Geschäftsleute und Politiker. Captain Tom, so hießt der Landlord, machte Schlagzeilen, als er sich aus dem Fenster im oberen Stockwerk stürzte und dabei zu Tode kam. Es war ein nicht ganz freiwilliger Selbstmord, bedingt von der Gicht, die ihn furchtbare Schmerzen erleiden liess. 

Schnell läuft man dran vorbei. Twinings am Strand, der Flag Ship Store. Rechts ein moderner Coffee Shop und links wird Pret demnächst eröffnen.

Dann wurde sein Coffee House verkauft. Das geschah 1706 und der Käufer war Thomas Twining. Der brachte etwas Neues auf die Karte, statt Kaffee bot er seinen Gästen Tee an und hatte damit Erfolg. Twinings (ohne Apostroph) wurde zur Weltmarke. Wer kennt sie nicht, inzwischen auch als Teekapsel für Maschinen zu haben. Das Geschäft im Strand hat die Familie nie aufgegeben. Stolz nennen sie ihr Londoner Teehaus 'Flag Ship Store'. Das mag auf den ersten Blick verwundern, denn die Front zur Straße ist nicht breiter als die Eingangstür. Dahinter aber erstreckt sich ein Teashop weit in die Tiefe des Hauses hinein, sehr geschmackvoll eingerichtet, mit allem ausgestattet, was ein Teekenner sich wünscht. Ich bin leider kein Freund des Getränks, ich kann ihm keinen Genuss abgewinnen. Aber die Wärme ist mir angenehm, sowohl als heisser Becher in der kalten Hand, als auch im Magen.


Das von außen winzig wirkende Twinings Geschäft ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Für Fotografen bietet sich das Firmenschild über der Tür an und man sollte auch wissen, dass der Schriftzug, also das Markenlogo, das älteste der Welt ist. Es wurde niemals geändert. Das ist ziemlich sensationell, denn hier hat der Künstler zeitloses Design geliefert. Also anschauen, fotografieren, staunen und dann bei einer Tasse Tee, -es werden Proben aller Art gereicht-, darüber sinnieren oder, falls möglich, mit einem der Kenner dort besprechen. Das ist dann ganz im Stil der guten alten Coffee House Tradition. Captain Tom hätte es gemocht.

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